Bewegen
Der Thermometerstand bewegt sich beinahe ebenso schnell rauf und runter wie die Tasten der Redaktionstastatur. Waldbrände bewegen sich durch die ostdeutsche Ebene, wie schon die letzten Sommer von einem Truppenübungsplatz zum nächsten. Die Bewegung junger Leute aus eben jener Ebene in die Städte schreitet unverändert voran. Sogar die Sonnenblumen vertrocknen auf Brandenburger Äckern und in Schkopau wird die erneute Abwicklung chemischer Industrie angekündigt. Geht es abwärts, nicht nur im Ackerbau, oder bewegt sich hier etwas im Kreis, drehen Rückbau und Aufbau Pirouetten?
Editorial der Redaktion
August 2025
Queer, Antifa, Ostdeutsch. Wie bewegend Solidarität sein kann.
So viele Menschen wie noch nie haben sich diesen Sommer zu und in Pride Marches durch Ostdeutschland bewegt.
von Jennifer Anlauf
Wie Frauenrechte in Kroatien unter Druck geraten
Waren im ehemaligen Jugoslawien reproduktive Rechte in der Verfassung verankert, forcieren rechte Kräfte mit kirchlicher Unterstützung eine Rückwärtsbewegung. Gespräch mit der Juristin und Aktivistin Nada Topić Peratović
von Konstantin Hadži-Vuković
Bewegungs- statt Ostpartei
Die Partei “Die Linke” in der Zweiten Berliner Republik: Entgegen früherer Wahlergebnisse konnte Die Linke bei der vergangenen Bundestagswahl im Westen deutlich Stimmen gut machen.
von Konstantin Petry
Insel ohne Umlaufbahn
Wie bewegt man sich durch eine Welt, die einem nie ganz gehört – und der man trotzdem nie ganz entkommt? Über Migration, Kindheit, soziale Herkunft und Identität im, mehr als nur geographischen, deutsch-polnischen Grenzgebiet.
von Isza
Außer Atem – zwischen Luxusapartment, Dong-Xuan und Neubauwohnung
Die ARD-Miniserie „Nackt über Berlin“ ist weit mehr als ein Jugenddrama. In sechs Teilen erzählt sie mit Tempo, Witz und Tiefgang von zwei Ostberliner Teenagern, die ihren Schuldirektor entführen – auf der Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit und sich selbst.
von Angelika Nguyen
Brotherland
Die Geschichte ist nicht zu Ende. Es gibt Ereignisse, die bleiben, wie die Pogrome gegen Vertragsarbeiter:innen in Ostdeutschland. Sie verweisen auf die Vergangenheit und wirken bis heute nach. Die Ausstellung Brotherland begibt sich auf die Suche nach Träumen, Gewalt und dem, was davon übrig geblieben ist.
von Martina Zaninelli und Thomas Jakobs
Anarchy in the Kazakhstan
In Almaty, Kasachstan, bewegt sich eine kleine aber sehr aktive alternative Szene auf Punkkonzerten. Zu den Einheimischen mischen sich Viele, die Putins Russland hinter sich lassen wollten oder mussten.
von Hardy Krüger
Unentschlosssen
Reflexion eines anarchistischen DDR-Oppositionellen über den Werdegang einiger ehemaliger Mitstreiter:innen in der aktuellen Diskussion um bundesdeutsche Aufrüstung in einem persönlichen Text über historische Verkürzungen, politische Verantwortung und die Frage, was Frieden heute bedeutet.
von Wolfgang Rüddenklau
Gespräche zwischen Front und Freiheit
Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist der Anarchismus wieder verstärkt im Fokus linker Debatten im russischsprachigen Raum. Auch in der Ukraine fällt immer häufiger der Name des anarchistischen Widerständlers Nestor Machno als linkes Gegenbeispiel zum Nationalisten Stepan Bandera. Ist Anarchismus jetzt der neue Trend und löst die Anhängerschaft zu Nawalny ab?
Interview mit Valerie Brosch
Stillstand in Bewegung
Der Blick auf Plattenbauten, Friedhöfe oder Alltagsszenen erzählt von scheinbarem Stillstand, von einem Davor und Danach, von einer Geschichte, die weiterläuft – selbst im Moment der Ruhe. „Bewegen“ bedeutet hier nicht immer physische Bewegung, sondern auch Verschiebung im Denken, im gesellschaftlichen Gefüge, in unseren Beziehungen zu Raum und Erinnerung. Die Fotos dokumentieren politische Proteste ebenso wie queere Sichtbarkeit, alltägliche Orte des Übergangs, Zeichen des Wandels, der Erosion, der Wiederaneignung.
von Hannah Uhlmann